Die Wirler Spitze und ihr neues Kleid

SUNK-Mitarbeiterin Franziska Bethge
(Foto: Privat)

Wer kennt es nicht, das Grüne Band Sachsen-Anhalt. Seit 2019 als Nationales Naturmonument „Grünes Band Sachsen-Anhalt - Vom Todesstreifen zur Lebenslinie“ ausgezeichnet, verläuft es als lebendiges Mahnmal und vereint Erinnerungskultur und Naturschutz. Um die Artenvielfalt im Norden Sachsen-Anhalts zu stärken und den Verlauf der einstigen Grenzlinie für künftige Generationen sichtbar zu machen, greift die SUNK bewusst ein.

Dort wo die Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen von Westen kommend nach Norden scharf abknickt, bedeckten unzählige Kiefern die Fläche der früheren innerdeutschen Grenze. Viele Tierarten benötigen jedoch vor allem Freifläche um ihre Nahrung zu suchen und ihr Überleben zu sichern.

Auch die im Spätsommer rosa-blühende Heide, welche einen wertvollen Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinstlebewesen bietet, konnte sich an der Wirler Spitze bislang nur eingeschränkt ausbreiten. Dank der SUNK soll dies nun zukünftig möglich sein.

Franziska Bethge, zuständig für Artenschutz und Monitoring bei der SUNK, erklärt „Wir möchten, dass auch Tiere, wie das Reptil des Jahres – die Zauneidechse oder verschiedene Libellen und Schmetterlinge, einen geeigneten Lebensraum an der Wirler Spitze finden. Durch die Entnahme der Kiefern geben wir Pflanzen- und Tierarten das Licht und den Raum, den sie benötigen um sich langfristig hier anzusiedeln. Gemäß dem Status als Nationales Naturmonument kommt aber auch der erinnerungskulturelle Aspekt nicht zu kurz: durch die Entnahme der Bäume ist der Verlauf der früheren innerdeutschen Grenze und auch der einstige KFZ-Sperrgraben als Bodensenke wieder sichtbar.“

Auch wenn der Wandel der Natur an der Wirler Spitze noch ein wenig Zeit benötigt, fest steht schon jetzt:
Das Gebiet ist allemal einen Besuch wert!

Die Wirler Spitze NACH der Maßnahme
(Foto: Franziska Bethge)
Die Wirler Spitze VOR der Maßnahme
(Foto: Franziska Bethge)

 

Projektstart zur Sicherung der Heideflächen an der Wirlspitze

Wer am Kolonnenweg nördlich der Wirlspitze (Arendsee/Altmark) unterwegs ist und sein Auge über die Sandflächen streifen lässt, entdeckt sie schnell: die Blume des Jahres 2019 - die Besenheide. Vor allem während der Blütezeit im August und September sticht sie mit ihrer lila Farbe heraus und prägt die Landschaft. Als spätblühende Art ist sie insbesondere für Insekten eine wichtige Nahrungspflanze. Spezialisierte Tierarten, wie der Ziegenmelker (eine in unserer Region seltene Nachtschwalbenart) oder das Insekt des Jahres 2020 - der Schwarzblaue Ölkäfer finden hier einen idealen Lebensraum vor.

Bei Heiden handelt es sich um offene Landschaftstypen. Der Bewuchs ist niedrig und strauchartig, in Teilbereichen können Bäume vorhanden sein.

Historisch betrachtet gehört die Heide zu den Kulturfolgelandschaften. Für deren Erhalt ist daher der Eingriff durch den Menschen unabdingbar. Entkusseln, Mahd oder gar kontrolliertes Brennen gehören zu den Pflegemaßnahmen dieses Typs, ebenso der Einsatz von tierischen Landschaftspflegern wie Schafen.

Rund um die Wirlspitze haben sich auf den ehemals offenen Sandflächen (früher der Spurensicherungsstreifen) immer mehr Kiefern angesiedelt und die typische Heidevegetation zurückgedrängt. Während der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Vergangenheit bereits erfolgreich gegen diesen aufgewachsenen Pionierwald eingeschritten ist, zieht die SUNK nun nach. Das derzeit laufende Projekt erfolgt auf einem Kilometer linksseitig des Kolonnenweges und knüpft an die bestehende Heidefläche des BUND an.

Um die Heidebestände grundsätzlich zu sichern und inmitten der umliegenden Kiefernforste einen offenen Landschaftscharakter zu schaffen, wurden in einem ersten Schritt umfangreiche Fällungen ausgeführt. Damit der entstehende Offenlandkorridor auch Bestand hat, müssen künftig immer wieder pflegerische Eingriffe erfolgen.

Mit der Maßnahme soll nicht nur die Strukturvielfalt lokal im Gebiet erhöht werden. Die hier entstehenden Heideflächen tragen dazu bei, dass sich das Grüne Band zum abwechslungsreichen Biotopverbund entwickeln kann.

Bereits entwickelte Heideflächen des BUND

Restbestand an Heide vor dem Eingriff
Erster Schritt - Schaffung eines großflächigen Offenlandkorridors

 Fotos: (1) Katja Hieckmann / (2+3) Franziska Bethge